White Oleander

Ich konnte seinen Schweiß riechen, scharf und streng, ein Männergeruch. Es war heiß in dem Raum mit den neuen Fenstern, mit dem berauschenden Geruch nach trockenem, frischem Holz. Ich legte ihm die Hände um die Taille, drückte mein Gesicht an die kratzige Wolle zwischen seinen Schulternblättern; etwas, was ich schon hatte tun wollen, seit er mich an jenem Sonntag in die Arme genommen hatte, als ich die Kirche geschwänzt hatte und im Wohnwagen geblieben war. Ich schloss die Augen und atmete seinen Duft ein, Marihuana, Schweiß und frisches Holz. Er bewegte sich nicht, zitterte nur und seufzte tief. "Du bist noch ein Kind," sagte er. "Ich bin ein Fisch, der vorbeischwimmt, Ray," flüsterte ich in seinen Nacken. "Fang mich, wenn du mich willst." Einen Augenblick lang stand er still und hob wie ein ertappter Einbrecher die Hände vom Fensterrahmen empor. Dann nahm er meine Hände, drehte sie um und küsste die Innenflächen, presste sie an sein Gesicht. Und dann war ich diejenige, die zitterte; ich und meine Margerite. Er drehte sich um und umarmte mich. Es war genauso wie ich immer schon festgehalten werden wollte, mein ganzes Leben lang – von starken Armen und einer breiten, in raue Wolle gehüllten Brust, 
die nach Tabak und Marihuana roch. Ich warf den Kopf zurück, und dann folgte mein erster Kuss.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

unglaublich schön :O ♥♥♥

Nell hat gesagt…

ok (:
Ja, stimmt, dann ist es wohl besser abzulehnen.

Der Text ist so gut!

Tizia hat gesagt…

toller text!